Kreisläufer von hinten zwischen zwei Abwehrspielern am Torraumkreis, Oberkörper in Körperkontakt

Der Kreisläufer ist die einzige Position im Handball, deren Arbeit überwiegend ohne Ball stattfindet. Er steht mit dem Rücken zum Tor, zwischen zwei oder drei Abwehrspielern, und erzeugt Torchancen für andere — die eigenen Abschlüsse kommen aus kurzer Distanz, unter Kontakt und meist aus einer Position, die er sich in Bruchteilen einer Sekunde verschafft hat.

Die Sperre als Kernaufgabe

Der größte Teil der Arbeit besteht darin, Abwehrspieler zu blockieren, damit ein Rückraumspieler Wurfraum bekommt. Regeltechnisch ist die Grenze eng: Der Kreisläufer darf seinen Körper einsetzen, um Raum zu halten, aber er darf den Gegner nicht mit Armen umschließen, festhalten oder aktiv wegschieben. Er darf sich in den Weg stellen — er darf niemanden aus dem Weg räumen.

Aus dieser Grenze ergibt sich die Technik: Der Kreisläufer kommt früh in Position, nimmt eine breite, stabile Haltung ein und wartet, bis der Abwehrspieler sich an ihm festläuft. Wer zu spät kommt, muss nachhelfen — und genau dort entstehen die Stürmerfouls, für die die Position bekannt ist.

Wann er sich löst

Eine Sperre, die nicht funktioniert, wird aufgelöst. Der Kreisläufer erkennt das daran, dass der Abwehrspieler ihn umläuft oder der Rückraumspieler den Winkel nicht bekommt — dann löst er sich in den Raum, der durch die Verschiebung entstanden ist, und wird selbst anspielbar.

Drei Lösebewegungen dominieren. Das Absetzen zur Ballseite, wenn die Abwehr zum Ball verschiebt und auf der ballfernen Seite ein Loch bleibt. Das Nachziehen hinter der Abwehr, bei dem er den Rücken der Verteidiger nutzt und auf der anderen Seite auftaucht. Und das Hereindrehen aus der Sperre, bei dem er sich mit einer Körperdrehung vom Gegner löst und in derselben Bewegung anspielbar wird.

Der Abschluss aus kurzer Distanz

Die Wurfformen des Kreisläufers unterscheiden sich von allen anderen Positionen. Gebraucht werden nicht Härte und Höhe, sondern Winkel und Timing bei minimalem Raum:

  • Der Dreher — Annahme mit dem Rücken zum Tor, Drehung um die eigene Achse, Wurf in der Bewegung.
  • Der Fallwurf — Absprung nach vorn über den Sechs-Meter-Raum, Wurf im Fallen, Landung auf Händen und Hüfte.
  • Der Heber — bei einem Torhüter, der früh herauskommt, über dessen Arme hinweg.
  • Der Wurf aus der Drehung nach hinten — wenn der Pass hinter den Körper kommt und keine Zeit zum Umsetzen bleibt.

Allen gemeinsam ist, dass der Ball unter Kontakt geworfen wird. Deshalb entscheidet Rumpfstabilität hier stärker über die Trefferquote als Wurfkraft — ein Kreisläufer, der die Körperspannung im Kontakt verliert, wirft ungenau, unabhängig davon, wie hart er werfen kann.

Die zweite Hälfte des Jobs: die Abwehr

In fast allen Systemen verteidigt der Kreisläufer im Innenblock — bei der 6:0 in der Mitte, bei der 5:1 als einer der beiden inneren Verteidiger. Das ist kein Zufall: Die Fähigkeiten überlappen sich fast vollständig. Wer im Angriff Raum gegen Körperkontakt hält, kann das in der Abwehr ebenfalls.

Praktisch bedeutet das die höchste Kontaktbelastung im Team über sechzig Minuten. Kreisläufer stehen im Angriff zwischen Verteidigern und in der Abwehr gegen den gegnerischen Kreisläufer — die Position mit den meisten Zweikämpfen pro Spiel und entsprechend hohem Bedarf an Regeneration.

Anforderungsprofil

Gefragt sind Körperkraft und ein tiefer Schwerpunkt, aber die verbreitete Annahme, der Kreisläufer müsse der größte Spieler sein, greift zu kurz. Wichtiger als Körpergröße sind drei andere Eigenschaften: die Fähigkeit, Standfestigkeit im Kontakt zu halten; ein Gespür für den Moment, in dem sich eine Lücke öffnet; und Fangsicherheit unter Bedrängnis, weil die Anspiele hart, flach und in engem Raum kommen.

Deshalb funktionieren auf der Position auch kleinere, kräftige Spieler mit gutem Timing besser als große mit schwacher Rumpfstabilität. Wie sich die Rolle zu den übrigen sechs Positionen verhält, steht in der Übersicht der Handball-Positionen; die Abwehrsysteme, in denen er arbeitet, sind im Beitrag zu den Abwehrformationen beschrieben. Für die Sperren-Regeln gilt der Abschnitt in den Handball-Regeln.

Das Zusammenspiel mit dem Rückraum

Kein Kreisläufer arbeitet allein — seine Wirkung entsteht erst im Zusammenspiel mit dem Rückraumspieler, für den er sperrt. Diese Abstimmung ist der Teil, der im Training am meisten Wiederholung braucht und im Spiel am schnellsten auffällt, wenn er fehlt.

Entscheidend sind zwei Absprachen. Die erste betrifft die Seite der Sperre: Der Kreisläufer muss wissen, ob der Rückraumspieler nach innen oder außen ziehen will, weil er sich entsprechend gegen den einen oder anderen Verteidiger stellt. Die zweite betrifft den Zeitpunkt — kommt die Sperre zu früh, hat die Abwehr Zeit, sie zu umlaufen; kommt sie zu spät, ist der Rückraumspieler schon am Verteidiger.

Geübt wird das paarweise, ohne Abwehr, dann mit passiven und schließlich mit aktiven Verteidigern. Der Aufwand lohnt, weil dieselbe Abstimmung in jedem System funktioniert: Ein eingespieltes Paar aus Kreisläufer und Rückraumspieler erzeugt Torchancen gegen jede Formation, während ein nicht abgestimmtes Paar auch gegen eine schwache Abwehr wenig zustande bringt.